Manifest KlimaBündnis Basel Mai 2020

Challenge for Future – Für eine andere Welt!

Wir alle wollen eine Zukunft. Wir wollen eine soziale und ökologische Gesellschaft ohne die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur. 
Am 15. Mai, am Challenge for Future-Tag, setzen wir Klimagruppen der Schweiz deshalb vereint ein Zeichen. Am 15. Mai rufen wir auf, die Kurve der Erderwärmung ebenso zu verflachen wie jene des Coronavirus.  Deshalb heisst das Motto dieses Tages in Basel: „Gegen das Virus, für den Planeten – flatten the curves“.

Gigantische Waldbrände, anhaltende Dürreperioden, starke Überschwemmungen und die Zerstörung der biologischen Vielfalt – die Klimakrise ist real und ihre Dringlichkeit erfordert unser sofortiges und energisches Handeln. Denn sie hat dramatische Folgen für alle Menschen: Gesundheitsprobleme, Verlust von Arbeitsplätzen, Kriege, Hungersnöte, Massenflucht und millionenfache Zwangsumsiedlungen. Zudem verstärkt die Klimakrise die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, Bevölkerungsschichten, Generationen sowie dem globalen Norden und Süden.

Die Wissenschaft warnt uns seit Jahrzehnten: Wenn wir das Ziel, die maximale Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, nicht erreichen, wird es zu unumkehrbaren Veränderungen kommen, welche das menschliche Leben auf der Erde grundlegend gefährden. Um das zu verhindern, gibt es nur eine Lösung: Die sofortige und drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen auf netto null bis 2030 ohne Einplanung von Kompensationstechnologien.

Das Versagen der Hauptverantwortlichen

Im Laufe des Jahres 2019 haben sich Demonstrationen, Streiks und Aktionen vervielfacht. Trotzdem sind die Regierungen, Grosskonzerne und Finanzinstitutionen unwillig, den Ernst der Lage anzuerkennen und ihre Verantwortung gegenüber der Bevölkerung wahrzunehmen. Die notwendigen Veränderungen bleiben nach wie vor aus. Denn noch immer stellen sie Wirtschaftswachstum und kurzfristige Profite über Mensch, Tier und Umwelt. Gleichzeitig merken immer mehr Menschen, dass wir die bisherige Lebensweise nicht fortsetzen können. Unbegrenztes Wirtschaftswachstum in einer Welt mit begrenzten natürlichen Ressourcen ist eine Illusion und zerstört zwangsläufig unsere Lebensgrundlage.

Während die Crédit Suisse Milliarden in die Dakota Pipeline und somit in die Förderung fossiler Brennstoffe investiert, gefährdet sie die heiligen Stätten und Wasserquellen nordamerikanischer Ureinwohner*innen. Während die Zementindustrie mit Firmen wie der Holcim Schweiz AG enorme Treibhausgasemissionen verursacht, müssen Maurer*innen bei 40 Grad auf dem Bau arbeiten. Während der Basler Agrarkonzern Syngenta am Einsatz von Pestiziden verdient, ist die Lebensgrundlage vieler Bauernfamilien bereits jetzt durch lange Trockenheiten gefährdet.

Setzen wir uns deshalb gemeinsam für eine Lösung ein, die die Verursacher*innen in die Pflicht nimmt, nicht die Betroffenen. Setzen wir uns ein für die Rechte von Frauen, Arbeiter*innen und Migrant*innen. Setzen wir uns ein für Klimagerechtigkeit. 

Was meinen wir mit Klimagerechtigkeit

Challenge for Future (ch4F) sagt noch nichts darüber aus, welche Zukunft wir wollen. Am 15. Mai wäre der Tag des nationalen Klimastreiks für mehr Klimagerechtigkeit gewesen. Der eigentliche Streik- und Aktionstag muss verschoben werden auf den Herbst. Doch das Thema muss wieder auf die politische Agenda, jetzt. Denn gesundheitliche oder ökologische Krisen sind immer auch soziale Krisen. Die Leidtragenden sind selten die Verursacher, sowohl auf globaler Ebene, wie auch innerhalb einzelner Gesellschaften. Klimagerechtigkeit heisst deshalb, dass die Folgen der ökologischen Zerstörung nicht auf Kosten desjenigen Teils der Bevölkerung gehen dürfen, die von der Entscheidung darüber, was, wie und wo produziert wird, ausgeschlossen ist. Nur eine demokratische gesellschaftliche Bestimmung über den Produktionssektor und die Finanzinstitutionen kann garantieren, dass nicht die grosse Mehrheit ausbaden muss, was die kleine Anzahl der Konzerne verursacht hat. Das heisst in der Konsequenz, dass die Macht der Grosskonzerne gebrochen werden muss. Der New Green Deal stimmt nirgends: Gerade setzt Google Cloud eine Abteilung Oil, Gas and Energy zusammen, Microsoft schliesst Verträge mit BP ab – um die Erdölvorkommen noch besser auszubeuten.

Klimagerechtigkeit heisst auch, dass die uns noch zu Verfügung stehenden Ressourcen global gerecht verteilt werden müssen. Das bedeutet, dass es auch eine Neuverteilung und Neubewertung der Arbeit braucht, unter mehr Selbstbestimmung der Beschäftigten, der Zivilbevölkerung und der Wissenschaft.  Es braucht einen Wertewandel. Welche Arbeit geleistet wird, darf sich dabei nicht mehr nach dem Profitstreben richten. Die Bedürfnisse der Menschen, im Sinne einer ökologisch nachhaltigen Produktion, müssen im Zentrum stehen. Arbeiten, die für den Erhalt des Lebens und der Ökosysteme unabdinglich sind, müssen gesellschaftlich aufgewertet werden. 

Klimagerechtigkeit heisst für uns, mit neuen Arbeits- und Lebensformen, durch Selbstverwaltung und Demokratisierung der Wirtschaft eine lebenswerte Zukunft für alle zu schaffen.

Basel2030

Basel hat dabei eine besondere Verantwortung, die Klimakatastrophe einzudämmen und Klimagerechtigkeit zu fordern. So setzt zum Beispiel der Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta, mit Hauptsitz in Basel, den Profit über das Wohlergehen der Umwelt und der Menschen – in Form von Vergiftungen und Ausbeutung. Syngenta trägt beispielsweise in Indien Mitschuld an hunderten Vergiftungen von Baumwollbäuer*innen. Darüber hinaus kontaminieren die Pestizide Gewässer, was zur Konsequenz hat, dass Ökosysteme beschädigt und zerstört, und die Gesundheit der Bevölkerung massiv beeinträchtigt wird. Im Allgemeinen produziert die industrielle Landwirtschaft, die von Syngenta unterstützt wird und von der Syngenta profitiert, über 30% der weltweit ausgestossenen Treibhausgase. 

Währenddessen können Schulklassen im Baselland bereits nicht mehr in die Wälder gehen, weil das Sterben der Buchen die Sicherheit der Kinder und der Bäume gefährdet. Die Wälder in der Region beider Basel haben und werden in Zukunft noch viel mehr mit den heissen trockenen Sommern zu schaffen haben. Auch die Gefahr von Waldbränden wird sich durch die steigenden Temperaturen erhöhen. 

Egal, ob bei uns in Basel oder im globalen Süden, die Klimakrise wird uns alle früher oder später treffen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir uns gemeinsam für eine Lösung einsetzen, die nicht die Betroffenen in die Pflicht nimmt, sondern die Verursachenden.

Unser demokratischer Einfluss geht weit über das Wählen und Abstimmen hinaus. Rückblickend haben wir die grössten gesellschaftlichen Errungenschaften nicht den Parlamenten zu verdanken, sondern dem Widerstand der Zivilgesellschaft. Gerade in der Klimakrise müssen wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. Der Übergang in eine soziale und ökologische Gesellschaft wird durch ein beispielloses Engagement der Bevölkerung eingeleitet – oder er wird nicht passieren. Nützen wir also unsere kollektive Stärke. Unterstützen wir die kantonale Basler Volksinitiative für Klimagerechtigkeit, mit welcher die Politik aufgefordert und verpflichtet wird, effektive Massnahmen zu Klimaschutz und zum Schutz vor den Folgen der Klimaerhitzung zu ergreifen: Regierung und Parlament müssen im Rahmen ihrer Kompetenzen dafür sorgen, dass der Ausstoss an Treibhausgasen in allen Sektoren bis 2030 auf netto null gesenkt wird.

Challenge for Future – ein Aufstand für eine andere Welt!

Am 15. Mai 2020 rufen wir die Bevölkerung auf, sich am Challenge for Future, einem nationalen Aufruf zu mehr Klimagerechtigkeit zu beteiligen. Am 15. Mai finden die unterschiedlichen Klimagruppen zusammen und ergänzen sich durch vielfältige Aktionen. Am 15. Mai 2020 kommt zusammen, was Monate zuvor gewachsen ist. Am 15. Mai setzen Menschen in Basel ein Zeichen: auf Balkonen, auf der Strasse, in der Luft und an Wänden: Gegen das Virus, für den Planeten – Flatten the curves.

Denn in den Wochen der Coronakrise haben wir nicht nur gelernt, Statistiken zu lesen. Wir haben bemerkt, dass wir anpassungsfähig sind und sehr schnell grosse Veränderungen in unseren Lebensstilen vornehmen können. Es hat sich gezeigt, dass wir fähig sind für selbstloses Handeln.

Wir haben gemerkt, dass die am schlechtesten bezahlten Menschen in Wahrheit diejenigen sind, ohne die wir nicht leben können. Wir haben gemerkt, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem so wertvoll ist wie ein gutes Immunsystem. Wir haben gesehen, dass das Kapital feige ist, und sofort flüchtet, wenn es brenzlig wird. Wir haben gemerkt, dass wir mit Einschränkungen leben können, und wie sehr wir an der Natur hängen. Und wir haben gemerkt, wieviel sich machen lässt, wenn wirklich die ganze Welt betroffen ist.

Deshalb: Wir alle wollen eine andere Zukunft. Wir wollen eine soziale und ökologische Gesellschaft ohne die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur. Am 15. Mai, am Challenge for Future-Tag, rufen wir auf, die Kurve der Erderwärmung ebenso zu verflachen wie jene des Coronavirus.  Wir setzen ein Zeichen: „Gegen das Virus, für den Planeten – flatten the curves“.

Klimabündnis Challenge 4F: Wer sind wir?

Dem KlimaBündnis Basel (https://ch4f-basel.ch/) sind ca. 20 Organisationen und Parteien angeschlossen; es unterstützt die kantonale Volksinitiative für ein klimagerechtes Basel („Klimagerechtigkeitsinitiative“).

#ChallengeForFuture
#FightEveryCrisis
#Basel2030